Vorwort
W wie Wissenschaft
2010 begehen etliche Berliner Wissenschaftseinrichtungen ein rundes Jubiläum:Die Charité und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften werden 300 Jahre alt, die Staatsbibliothek sogar 350, die Humboldt-Uni 200 – Grund genug, in diesem Jahr Berlin zur »Hauptstadt für die Wissenschaft« zu erklären. Und die Museen, bei denen bekanntlich neben Sammeln, Bewahren und Präsentieren die wissenschaftliche Forschung einen gewichtigen Platz einnimmt, gehören mit der 26. Auflage ihrer Langen Nacht natürlich zu den ersten Gratulanten des Wissenschaftsjahres – dessen Logo, das blaue »W«, wir bereits in dem Humboldt-Zitat untergebracht haben.
In den Museen kommen spektakuläre Forschungsergebnisse häufig aus den Restaurierungswerkstätten.
Beispiele dafür präsentieren während der Langen Nacht unter anderem das Deutsche Historische Museum und die St. Marienkirche. Und dass die »Wissenschaft als Kunst« oder die »Kunst als Wissenschaft« verstanden werden kann – dass es sogar eine »Wissenschaft des Genießens« gibt, all das erfährt man als Passant beim nächtlichen Bummel durch die rund 60 teilnehmenden Häuser. Ahnherr der Wissenschaft in Berlin ist ganz unbestritten Alexander von Humboldt – sieht man einmal vom Kurfürsten Joachim II. ab, unter dessen »fröhlicher Regierung Kunst und Wissenschaft ihr erstes Erwachen auf eine würdige Weise feierten«. Und das Beste: Vieles von dem, was Humboldt von seinen Forschungsreisen mitgebracht hat, wird in Berliner Museen und Sammlungen aufbewahrt. Seine Vorstellung, die einzelnen Zweige der Wissenschaft kunstvoll und verständlich miteinander zu verweben, prägt diese Lange Nacht. So zeigen die einzelnen Museen bei ihren Führungen, musikalischen Darbietungen und Lesungen, dass Wissenschaft, durchaus anschaulich und unterhaltsam sein kann, selbst das Zoo-Aquarium blickt »mit Humboldts Augen« auf seine Menagerie.
Auch bei dieser Langen Nacht gibt es wieder Neues zu entdecken. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten stellt sich erstmals das Schloss Schönhausen mit seiner wechselvollen Geschichte vor, als Sommerresidenz Elisabeth Christines, der Gemahlin Friedrichs des Großen, sowie als Repräsentationsort und Gästehaus der DDR-Regierung. Eine weiteres kürzlich eröffnetes Haus, das Neue Museum auf der Museumsinsel, wird sich dann im Sommer den Besuchern der Langen Nacht präsentieren – wenn die Bauarbeiten in seiner allernächsten Umgebung abgeschlossen sein werden und sich dann bereits die Schönheit des gesamten Ensembles ahnen lässt.
Wolf Kühnelt