Vorwort
After All These Years...
Als an einem kalten, regnerischen Sonnabend im Februar des Jahres 1997 in Berlin die erste Lange Nacht der Museen stattfand, ahnte wohl niemand, dass hier gerade der Grundstein für eines der erfolgreichsten Veranstaltungsformate im hauptstädtischen Kulturleben gelegt wurde. Zwölf Jahre später, in diesem – hoffentlich – warmen und kein bisschen regnerischen Sommer 2009, gibt es nun die 25. Lange Nacht der Museum – ein Jubiläum, das nicht nur die Initiatoren und die Museen, die von Anfang an dabei waren, mit Stolz erfüllt, sondern auch all die Berlinerinnen und Berliner, die zweimal im Jahr Gelegenheit hatten, sich aus jeweils rund 100 teilnehmenden Museen ihre Stationen für die individuelle Reise durch die Nacht auszuwählen.Und es gibt noch ein anderes Jubiläum zu feiern: Genau 20 Jahre ist es her, dass sich in der DDR aus den Protestaktionen Einzelner gegen Wahlfälschungen eine Massenbewegung entwickelte, die unter dem Namen »Friedliche Revolution « in die Geschichtsbücher einging und die letztlich dazu führte, dass am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel. Was dann folgte, ist den meisten noch in guter Erinnerung – Berlin stand Kopf und die Ereignisse überschlugen sich. Am Ende gab es die deutsche Wiedervereinigung, mit allen großartigen, aber auch ernüchternden Konsequenzen.
Für die Berliner Museumslandschaft war die Vereinigung der beiden Stadthälften ein Segen. Sie führte jahrzehntelang getrennte Sammlungen wieder zusammen und bereitete den Boden für die Neugründung von Museen und Museumsstiftungen. Anlass genug, bei der 25. Langen Nacht diesen Wandel etwas genauer zu betrachten. Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Museen hat in Folge der Ereignisse des Jahres 1989 an Format und Attraktivität gewonnen, andere Einrichtungen, zum Beispiel die Gedenkstätte Hohenschönhausen, das Haus am Checkpoint Charlie oder das Stasimuseum, das erstmals bei der Langen Nacht dabei ist, machen gerade die unrühmliche Vorgeschichte dieser historischen Wende zum Thema ihrer Ausstellungen.
So bietet diese Lange Nacht auch dem geübten Museumsgänger wieder die Ge legenheit, neue Häuser kennenzulernen – richtig neu sind u.a. das 1. Berliner DDR-Motorrad-Museum und das Deutsche Fußballmuseum – oder sich in der großartigen Open-Air-Ausstellung auf dem Alex über die Friedliche Revolution zu informieren. Und wer einen Blick in die nahe Zukunft werfen will, der schaut sich schon mal im Alten Museum die ersten Objekte für das Humboldt-Forum an. Die Berliner Museen sind eben immer in Bewegung – after all these years ...
Wolf Kühnelt