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»Wanderer am Weltenrand«
Dieser hübsche Titel hat sich für das geheimnisvolle
Bild auf unserem Umschlag eingebürgert,
und fast jeder hat es schon in irgendeinem Zusammenhang
gesehen. Wer der Schöpfer dieses
Holzstiches ist – darüber gehen die Meinungen
allerdings überraschend weit auseinander. Die
einen vermuten, es sei ein Künstler aus der Dürer-
Schule und datieren das Bild ins frühe 16. Jahrhundert,
die anderen sind davon
überzeugt, dass es nicht älter
ist als der Zeitpunkt seiner
ersten bekannten Veröffentlichung
– und das war in einem
populärwissenschaftlichen
Buch über Meteorologie
im Jahr 1888. In einem Punkt
aber sind sich alle einig – es
passt so wunderbar zu jenem
Weltbild, das wir den Menschen
des ausgehenden Mittelalters
zuschreiben.
Die 24. Lange Nacht derMuseen will der Sache auf
den Grund gehen: Welches Bild hatten die alten
Ägypter vor mehr als 3000 Jahren von ihrer Welt,
in der Götter die Erde, den Luftraum und das Himmelsgewölbe
beherrschten, welches die Griechen
und Römer? Dachten die Menschen vor Kopernikus,
die Erde sei eine flache Scheibe, wie auf unserem
Holzstich dargestellt? Immerhin machte
sich bereits 20 Jahre vor dessen bahnbrechenden
Veröffentlichungen der Seefahrer Christoph
Kolumbus auf den Weg, um westwärts, »andersherum«, nach Indien zu segeln, hatte also sehr
wohl die Vorstellung von einer Welt-Kugel...
Die modernen Weltbilder werden unter anderem
von den beiden Berliner Planetarien in Szene gesetzt,
sie verbinden das Winter-Lange-Nacht-Thema »Weltbilder – Weltsichten« auf unterhaltsame
und informative Weise mit dem UNESCO-Jahr
der Astronomie. Im Zeiss-Großplanetarium
ist sogar der erste deutsche
Weltraumfahrer zu Gast –
Sigmund Jähn, der von seinem
ganz besonderen Blick
auf unsere Welt berichten
wird.
Die 24. Lange Nacht der Museen
steht ja auch ganz am
Anfang des Berliner Themenjahres
»20 Jahre Mauerfall«,
das die immensen Veränderungen
seit dem denkwürdigen
Jahr 1989 betrachten
wird, insbesondere das gewandelteWeltverständnis
der Menschen in Mitteleuropa, für die eine
lange Zeitspanne ihres Lebens vom »Kalten Krieg«,
vom »Eisernen Vorhang«, von Trennung und Feindbildern
geprägt war. Diese besondere historische
Situation mit anderen, ähnlich brisanten Begebenheiten
der Weltgeschichte in Beziehung zu
setzen – Revolten, Erfindungen, wissenschaftlichen
Entdeckungen, ist die Herausforderung, der
sich die Museen in diesem Winter stellen.
Wolf Kühnelt
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