Die unbändige Leidenschaft
"Sammeln", sagt der amerikanische
Psychoanalytiker Werner Muensterberger,
sei das "Zusammentragen und
Aufbewahren von Objekten, die einen
subjektiven Wert haben", und darüber
hinaus sei es auch "eine unbändige
Leidenschaft". Die allermeisten Besucher
der Langen Nacht wissen nur
zu genau, wovon Herr Muensterberger
redet: In Regalen und Schubladen,
stolz präsentiert oder verschämt versteckt,
finden sich An-Sammlungen
von Teegläsern, Streichholzschachteln,
Serviettenringen, Kieselsteinen, Postkarten,
Stofftieren - etwas gehobener
geht's mit Druckgrafik, Taschenuhren,
Art Deco und Erstausgaben von
Büchern weiter. Ein Blick ins Internet
zeigt, dass es fast nichts gibt, das man
nicht sammeln - d.h. mit einem ausdrücklich
subjektiven Wert belegen -
könnte.
Nun ist das professionelle Sammeln
in den Museen aus vielerlei Gründen
überhaupt nicht mit dem privaten
Sammeln zu vergleichen, dennoch
gibt es immer wieder interessante
Berührungspunkte, wenn dort durch
Ankauf oder Schenkung eine persönlich
geprägte Sammlung plötzlich
öffentlich
wird. Zumal
nach Ansicht
einiger Beobachter
die
Sammler inzwischen
sowieso
weitgehend
die
Hoheit in
Kunstdiskursen von den hauptberuflichen
Kuratoren und Kunsttheoretikern
übernommen haben.
Bei dieser 20. (!) Langen Nacht der
Museen nutzen viele teilnehmende
Häuser die Gelegenheit, ›ihre Sammler‹
einmal ins rechte Licht zu setzen.
Sei es, dass solche privaten Sammlungen
einst den Grundstock für ein heutiges
Museum bildeten, oder dass der
Museumsbestand durch eine besondere
Sammlung in einem bestimmten
Bereich erst komplettiert wurde.
Das Märkische Museum der Stiftung
Stadtmuseum
mit
seinen breit
gefächerten
Sammlungen
ist dafür
ein eindrucksvolles
Beispiel. Vor
allem aber
sind es die großen, die spektakulären
privaten Kunstsammlungen, deren
Übernahme für eine gewisse Zeit die
öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
zieht. Dass Sammlungen aus Privathand
aber auch Probleme bereiten,
davon können gerade die naturwissenschaftlichen
Museen ein Lied
singen, denn häufig fehlen den geschenkten
oder geerbten Sammlungen
die notwendigen wissenschaftlich
verwertbaren Informationen, so dass
hier die Sammellust sehr schnell in
Sammelfrust umschlägt.
Für die Besucherinnen und Besucher
der Langen Nächte - und das sind
mittlerweile rund 600.000 - spielt
all das aber nur eine untergeordnete
Rolle. Sie nutzen zwei Mal im Jahr die
Gelegenheit, sich ein eigenes, ganz
persönliches Bild von der facettenreichen
Berliner Museumslandschaft zu
machen, lernen dabei im Durchschnitt
fünf bis sechs Museen kennen, und
wenn nachts um Zwei bei der Langen
Nacht die Lichter ausgehen, machen
die meisten von ihnen schon Pläne,
welchem der Häuser sie demnächst
mal einen ausführlichen Besuch abstatten
werden - spätestens bei der
nächsten Langen Nacht.
Wolf Kühnelt