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Lange Nacht der Museen

 
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Cultural Diversity

Für den bedrohten, aber immer noch beeindruckenden Artenreichtum der Lebewesen auf dieser Erde wurde vor nicht allzu langer Zeit das Wort "biodiversity" erfunden. Diese "Vielfältigkeit des Lebens" basiert auf einer unglaublichen Anzahl unterschiedlich komplexer Gen-Strukturen, die sich selbst reproduzieren - und in erschreckend kurzen oder unvorstellbar langen Zeiträumen Variationen bilden können. Was zu immer neuen, interessanten Lebensformen führt, die sich dann in ihrer jeweils vorhandenen Umgebung bewähren müssen. Eine auffallende Ähnlichkeit zu dem, was wir gemeinhin unter dem Begriff Kultur zusammenfassen: Auch hier ist ein hohes Maß an Vielfalt und Komplexität die wichtigste Voraussetzung für Wachstum und Fortbestehen. Insofern bietet eine Stadt wie Berlin einen geradezu idealen Nährboden für alles kulturelle Leben, eine bunte, virulente Durchdringung der Sparten, Stile, Traditionen; gepflegter Purismus neben respektlosestem ›cross over‹, die eindrucksvolle Begegnung von unterschiedlichen Vergangenheiten mit einer gemeinsamen Gegenwart.

Diese 19. Lange Nacht der Museen hat genau diese kulturelle Vielfalt zum Thema. Sie führt ihre Besucher zu den - ebenfalls vielfältigen - Quellen unserer Kultur, nach Spanien, Italien, Frankreich, aber auch ins antike Griechenland und nach Ägypten, zeigt den Einfluss ostasiatischer und indischer Kunst und sie bietet die Gelegenheit, den argentinischen Tango (Kulturforum), eine venezianische Hochzeit (Schloss Charlottenburg) und japanischen Butoh-Tanz (Museen Dahlem) in der durchaus stimmigen Atmosphäre eines mitteleuropäischen Kunstmuseums hautnah mitzuerleben.

In Deutschland lebende vietnamesische, bulgarische, ungarische, russische, arabische, türkische und afrikanische Dichter, Maler, Musiker haben längst Brücken aus ihrer jeweiligen kulturellen Tradition gebaut und zeigen bei dieser Langen Nacht - beispielhaft für viele Tausend Künstler aus aller Welt, die mit uns hier leben -, dass sie längst in der Berliner Gegenwart angekommen sind. Kulturelle Vielfalt in Berlin - das sind auch die 18 hier ansässigen ausländischen Kulturinstitute, von denen sich acht bei dieser Langen Nacht mit Ausstellungen, Konzerten und Performances einem neuen Publikum vorstellen. Eines davon zeigt seine Ausstellung mit Werken der belgischen Pop Art-Ikone Evelyne Axell in der Galerie Berliner Fernsehturm. Und weil man nach 22 Uhr mit seinem Lange-Nacht-Ticket zur Aussichtsplattform und zum Café des Fernsehturms hinauf fahren kann, gibt es hier noch einmal eine wunderbare Gelegenheit, sich die Vielfalt des nächtlichen Berliner (Kultur-)Lebens vor Augen zu führen.

Wolf Kühnelt