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Reiseauslöser
Wenn jemand aus Hamburg seiner Tante in Berlin den längst überfälligen
Besuch abstatten will und ihn zeitlich so legt, dass er bei der Gelegenheit die
Lange Nacht der Museen erleben kann, dann spricht der Touristikfachmann
von einem "Reiseauslöser".
Man kommt nicht extra wegen der Langen Nacht her, aber man orientiert
sich mit einer sowieso geplanten Reise an diesem speziellen Termin im
Berliner Veranstaltungskalender.
Für überraschend viele der Touristen, die von fleißigen Leuten des Instituts
für Museumskunde im letzten Sommer befragt wurden - immerhin
kommen fast 20 Prozent der Lange-Nacht-Besucher "von auswärts" - war
die Museumsnacht tatsächlich der Auslöser ihrer Fahrt nach Berlin. Für
Veranstalter hat das ungefähr die gleiche Bedeutung wie ein Michelin-
Stern für ein Restaurant.Was heißen soll: Wir sind ziemlich stolz darauf.
Ein Auslöser ganz anderer Art war die vor uns liegende 16. Lange
Nacht der Museen für das weltweit operierende Beratungsunternehmen
McKinsey & Company.
Man nahm dort die diesjährige Sommer-Lange-Nacht zum
Anlass, der Stadt Berlin ein ganz ungewöhnliches
Kunst-Geschenk zu machen. Zwischen
dem Brandenburger Tor und dem Lustgarten
errichtet der französische Künstler Armel
Réau auf der Mittelpromenade der "Linden" eine vielteilige
Großplastik, die die Flaneure der Langen
Nacht in Augenschein nehmen können; Titel: "RefleCity".
Das Thema dieser Nacht ist "Landschaft, Parks und Gärten", und wenn
Sie das Programmheft durchblättern, werden Ihnen zwischen der Gemäldegalerie
am Kulturforum ("Liebes- und Paradiesgärten") und dem Brücke-
Museum ("Komm in den totgesagten Park und schau…") eine Vielzahl von Veranstaltungen
begegnen, die sich heiter oder ernst, beiläufig
oder ganz direkt mit dem Versuch der Menschen befassen, die Natur zu bändigen -
oder wenigstens zu begreifen.
Weil in diesem Sommer die Lange Nacht ein besonders
vielfältiges Programm bietet - da nimmt zum Beispiel das Kunstgewerbemuseum
im Schloss Köpenick, ganz weit im Berliner Osten, erstmals teil,
genau wie das Schloss Glienicke, ganz weit im Westen, fast in Potsdam, da
feiert das Zucker-Museum (im Norden) seinen 100. Geburtstag, und da
lässt, ganz in der Mitte Berlins, der Palast der Republik erst- und vermutlich
auch letztmalig einen nächtlichen Blick in sein Inneres zu - weil also
alles von so großer Vielfalt ist, haben wir aus einigen europäischen Städten,
die seit geraumer Zeit Museumsnächte nach dem Berliner Strickmuster
veranstalten, die "Macher" eingeladen, aus Amsterdam, Basel, Kopenhagen,
Paris, Reykjavík und Wien.
Und da einige Häuser der Langen Nacht eine Preview auf das herbstliche
"Metropolenprojekt Berlin - Buenos Aires" geben, haben wir die
Generaldirektorin der argentinischen Hauptstadt-Museen ebenfalls eingeladen.
Für sie ist dann die Lange Nacht kein Reiseauslöser, sondern ein
Reiseanlass - würden die Touristiker sagen…
Wolf Kühnelt
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