Wie auf dem Titelbild unschwer zu erkennen, haben wir als Begleiter
durch die 11. Lange Nacht der Museen das Nachtpfauenauge auserkoren,
ein Mitglied der großen Familie der Nachtfalter, der wohl auch - natürlich
im übertragenen Sinne - die meisten der rund
400 000 Menschen angehören, die in den letzten fünf Jahren Tickets
für die Berliner Museumsnächte gekauft haben. Das Nachtpfauenauge ist vor
allem deshalb als Symbolgestalt für den exzessiven nächtlichen Museumsbesuch geeignet,
weil es neben ausgeprägtem optischen Spürsinn und eindrucksvollen Antennen für feinst
dosierte Lockstoffe aller Art über eine bemerkenswerte Flugausdauer verfügt - hat sich
doch die Zahl der von einem Durchschnittsbesucher während der Langen Nacht frequentierten
Museen im Laufe der Jahre von ursprünglich 3,7 auf 5,1 erhöht...
Die Besucherinnen und Besucher sind mobiler geworden, auch geübter im Umgang mit dem
Bus-Shuttle und den anderen Verkehrsmitteln, die für kurze Wege zwischen den einzelnen
Häusern sorgen. Der zentrale Ausgangspunkt vor dem Berliner Rathaus hat sich bewährt.
Hier sorgt auch eine von Jahr zu Jahr wachsende Anzahl von Kassenhäuschen dafür, dass spät
Entschlossene und Spontanbesucher ohne lange Wartezeit ihr Ticket bekommen. Einen Vorteil
des Kombi-Tickets für die Lange Nacht haben sie dann allerdings schon verpasst - die
kostenlose Anreise mit der BVG und der S-Bahn. Der Preis des Tickets, der den Besuch der
teilnehmenden Häuser, die Benutzung des Bus-Shuttles und die An- und Abreise mit öffentlichen
Verkehrsmitteln einschließt, wurde auf service-freundliche 10 EURO (19,56 DM), ermäßigt 6 EURO (11,73 DM), festgesetzt.
Wer die Vorteile des Vorverkaufs nutzen will, kann die Tickets in den beteiligten Museen,
den Theaterkassen, den Filialen der Citibank, dem Kundencenter der Berliner Zeitung,
beim MD Berlin und beim Fullhouse Service Unter den Linden erwerben.
Unter den teilnehmenden Häusern der Langen Nacht gibt es immer wieder Neulinge,
Museen die noch nie oder in der jetzigen Form noch nicht mitgemacht haben - so wie in
diesem Winter die nach aufwendiger Restaurierung wieder eröffnete Alte Nationalgalerie
auf der Museumsinsel und das Jüdische Museum an der Lindenstraße, das als "begehbares
Architekturmodell" bereits zigtausende Lange-Nacht-Besucher hatte und jetzt seine
Dauerausstellung präsentiert. Insgesamt gibt es wieder mehr als 80 Teilnehmer, darunter
einige, die von Anfang an dabei sind - wie das Museum für Naturkunde, wo auch unser
Nachtpfauenaugen-Weibchen aufbewahrt wird, wenn es nicht gerade über Lange-Nacht-Plakate
flattert.
Wolf Kühnelt